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Achslast berechnen: der vollständige Ratgeber

Die Achslast ist eine technische Größe, die häufig vorkommt, aber selten wirklich verstanden wird. Dabei kann eine falsch berechnete oder ignorierte Achslast zu einer überlasteten Achse, einem an seine Grenzen gebrachten Reifen, instabilem Fahrverhalten und im schlimmsten Fall zu einem mechanischen Versagen führen. Ob bei einem Leichtanhänger oder einem Nutzfahrzeug: zu wissen, wie man die Achslast berechnet und wie man sie innerhalb der zulässigen Grenzen hält, ist unerlässlich, bevor man belädt und losfährt.

Achslast: Definition und Bedeutung für die Fahrsicherheit

Die Achslast bezeichnet die Gesamtmasse, die auf einer bestimmten Achse des Fahrzeugs oder Anhängers lastet. Sie ergibt sich aus dem Eigengewicht des Fahrgestells, dem Gewicht der transportierten Last und der Art, wie diese Last auf die Länge des Fahrzeugs verteilt ist.

Dieser Wert bestimmt direkt die mechanische Belastbarkeit der Achse, den Reifenverschleiß und die Stabilität des Gespanns. Eine überlastete Achse verformt sich, überhitzt und altert vorzeitig. Sie kann auch zu asymmetrischem Reifenverschleiß, schwergängiger Lenkung und einer deutlichen Verlängerung des Bremswegs führen. Aus diesem Grund hat jede Achse eine maximale zulässige Last, die vom Hersteller festgelegt und gesetzlich geregelt ist — in Deutschland durch § 34 StVZO.

Bei Straßenanhängern ist die Achslast ein kritischer Wert, der direkt mit dem zGG des Fahrzeugs zusammenhängt. Je näher ein Anhänger an sein zGG beladen wird, desto genauer muss die Achslast kontrolliert werden. Eine unterdimensionierte Achse altert weitaus schneller als vorgesehen — konkrete Richtwerte dazu liefert unser Ratgeber zur durchschnittlichen Lebensdauer einer Anhängerachse.

Achslast berechnen: die Grundformel

Die Berechnung der Achslast basiert auf einem einfachen Prinzip: Die Gesamtmasse des beladenen Fahrzeugs verteilt sich auf die einzelnen Achsen. Bei einem Einachsanhänger ruht das gesamte Gewicht auf dieser einen Achse. Bei einem Zweiachsanhänger verteilt sich die Last je nach Position der Beladung mehr oder weniger gleichmäßig auf beide Achsen.

Die Grundformel lautet:

Achslast = Gesamtmasse beladen ÷ Anzahl der Achsen

Diese Formel gilt, wenn die Last gleichmäßig über die Länge des Anhängers verteilt ist. In der Praxis ist das fast nie der Fall: Die Position der Last verschiebt den Schwerpunkt und verändert die tatsächliche Verteilung zwischen den Achsen. Deshalb muss die Last jeder einzelnen Achse geprüft werden, nicht nur der Gesamtwert.

Ein konkretes Beispiel: ein Zweiachsanhänger mit einem Leergewicht von 300 kg, der 900 kg Ladung transportiert. Die Gesamtmasse beladen beträgt 1.200 kg. Bei gleichmäßiger Verteilung trägt jede Achse 600 kg. Ist die Ladung jedoch nach hinten konzentriert, kann die Hinterachse 800 kg tragen, während die Vorderachse nur 400 kg aufnimmt — ein potenziell gefährliches Ungleichgewicht.

Konfiguration Gesamtmasse beladen Last pro Achse (gleichmäßige Verteilung)
Einachsanhänger, zGG 750 kg 750 kg 750 kg
Zweiachsanhänger, zGG 1.500 kg 1.500 kg 750 kg pro Achse
Zweiachsanhänger, zGG 2.000 kg 2.000 kg 1.000 kg pro Achse
Zweiachsanhänger, zGG 3.500 kg 3.500 kg 1.750 kg pro Achse

Wo findet man die zulässige Achslast?

Die zulässige Achslast ist kein zu berechnender Wert: Sie wird vom Hersteller festgelegt und in den offiziellen Fahrzeugdokumenten eingetragen.

Für einen Anhänger findet sich dieser Wert in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter den Feldern 7.1 und 7.2 (technisch zulässige maximale Achslast je Achse) sowie unter Feld 8.1 und 8.2 (zulässige maximale Achslast im Zulassungsmitgliedstaat). Zusätzlich ist die Achslast auf dem Leergewichtschild am Fahrgestell angegeben. Wer unsicher ist, in welchem Feld der Zulassungsbescheinigung Teil I die Achslastwerte eingetragen sind, findet in unserem Ratgeber zur Anzahl der Achsen in der Zulassungsbescheinigung eines Anhängers klare Orientierung.

Laut § 34 StVZO darf die zulässige Achslast eines Einachsanhängers bei Luftreifen maximal 10 Tonnen betragen. Für Leichtanhänger ist der maßgebliche Wert immer der vom Hersteller festgelegte, der deutlich darunter liegt und in der Zulassungsbescheinigung eingetragen ist. Dieser Wert darf unter keinen Umständen überschritten werden, auch dann nicht, wenn das zGG des Fahrzeugs noch nicht erreicht ist.

Für Anhänger, die nahe an der 750-kg-Grenze betrieben werden, gelten besondere Regeln, die auch die Stützlast indirekt beeinflussen — unser Ratgeber zum zulässigen Gesamtgewicht beim Anhänger bis 750 kg fasst alle relevanten Vorschriften zusammen.

Lastverteilung und Auswirkung auf die Achslast

Die Lastverteilung ist der am häufigsten unterschätzte Faktor bei der Achslastberechnung. Bei einem Einachsanhänger ruht die gesamte Last auf der mittleren Achse: Die Position der Beladung beeinflusst die Achslast selbst nicht, bestimmt aber die Stützlast und damit die Stabilität des Gespanns. Bei einem Zweiachsanhänger verändert die Position des Lastschwerpunkts direkt die Verteilung zwischen beiden Achsen.

Die Grundregel lautet: schwere Gegenstände über oder leicht vor den Achsen platzieren und die Last seitlich symmetrisch verteilen. Ein seitliches Ungleichgewicht erzeugt eine ungleichmäßige Belastung auf beiden Seiten derselben Achse, was zu asymmetrischem Reifenverschleiß und unberechenbarem Fahrverhalten in Kurven und beim Bremsen führt.

  • Schwere Teile in der Mitte der Ladefläche, über oder leicht vor den Achsen platzieren
  • Prüfen, ob die Last auf beiden Seiten der Achsmitte symmetrisch verteilt ist
  • Gewichtskonzentration am Heck des Anhängers vermeiden, da dies die Vorderachse anhebt und das Gespann destabilisiert

Achslast und Stützlast: der Zusammenhang, den man kennen muss

Die Stützlast, also die nach unten gerichtete Kraft des Anhängerdeichsels auf den Kugelkopf der Anhängerkupplung, hängt direkt mit der Gewichtsverteilung auf dem Anhänger zusammen. Sie ist eine von der Achslast getrennte Größe, ergibt sich aber aus ihr.

Eine zu geringe Stützlast (unter 25 kg) zeigt an, dass die Last zu weit hinten konzentriert ist: Der Anhänger neigt dazu, die Kupplung anzuheben, was die Hinterachsenhaftung des Zugfahrzeugs mindert und ein Schlingern auslösen kann. Eine zu hohe Stützlast überlastet das Heck des Zugfahrzeugs und beeinträchtigt seine Fahrstabilität. Gemäß § 44 StVZO muss die Stützlast mindestens 4 % des Gesamtgewichts des Anhängers betragen und darf den auf dem Kupplungskopf oder in der Betriebsanleitung angegebenen Maximalwert, in der Regel 75 bis 100 kg, nicht überschreiten.

Diese Werte gelten unabhängig vom zGG des Anhängers. Die Stützlast zu prüfen ist genauso wichtig wie die Achslast zu kontrollieren, und beides sollte vor jeder beladenen Fahrt zusammen überprüft werden.

Zusammenfassung

Die Achslast zu berechnen bedeutet, die Gesamtmasse beladen durch die Anzahl der Achsen zu teilen und anschließend zu prüfen, ob keine einzelne Achse ihre auf dem Leergewichtschild oder in der Zulassungsbescheinigung angegebene Maximalbelastung überschreitet. Diese Prüfung muss die tatsächliche Position der Ladung berücksichtigen, nicht nur das transportierte Gesamtgewicht. Eine Achse, die innerhalb der vom Hersteller vorgesehenen Grenzen belastet wird, bei gleichmäßiger Lastverteilung, ist eine Achse, die lange hält, und ein Gespann, das sich sicher und berechenbar verhält.